Industrie 4.0: Ein Plädoyer für MINT

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Die aktuellen Entwicklungen in der verarbeitenden Industrie sind ganz klar von dem Thema „Industrie 4.0“ dominiert. Besonders in der Automatisierungstechnik, aber auch in allen anderen Bereichen nimmt das Tempo der Digitalisierung in unglaublichem Maße zu. Die Vernetzung aller Unternehmensprozesse, insbesondere in der Produktion, hat eine Dynamik angenommen, welche selbst von Experten nicht erwartet wurde. Große Key-Player der Branche setzen Maßstäbe bei den Anwendungen, kleinere Hersteller, vor allem die aus Deutschland, zeigen Anwendungen, welche gerade die Kunden aus dem Maschinen- und Anlagenbau regelrecht begeistern. Aber auch Anbieter aus den USA und Asien zeigen aktuell, dass auch sie mit sehr innovativen Lösungen dem Weg der Digitalisierung folgen und dort ebenfalls eine dominierende Rolle übernehmen wollen.

In vielen Gesprächen mit Anbietern aus Deutschland zeigt sich aber immer wieder ein Thema: Das Wachstum in diesem Bereich könnte viel schneller erfolgen, würde es nicht an Fachkräften aus dem sogenannten „MINT-Bereich“ mangeln. MINT steht für die Fächergruppe Mathematik, Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften und Technik.

Während immer mehr Jobs in der Fertigung durch Automatisierung wegfallen oder in Low-Cost-Countries verlagert werden, steigt der Bedarf an hochqualifizierten Ingenieuren, Programmierern und Naturwissenschaftlern. Dabei ist das akute Fehlen von Fachkräften nur ein kleiner Teil des Problems. Wo wir heute Schwierigkeiten haben, das Tempo der Wettbewerber USA und Asien mithalten zu können, wird morgen der Mangel an guten MINT-Absolventen das Geschäftsmodell Europas und insbesondere Deutschlands nachhaltig in Frage stellen.

Bereits 2015 hat die OECD in einer Studie darauf aufmerksam gemacht, dass im Jahr 2030 ca. 37% aller Ingenieure im Bereich der großen Wirtschaftsnationen (G20) aus China kommen, dicht gefolgt von Indien. Für Deutschland wird noch ein Anteil von 1,4% aller Ingenieure im Bereich der „G20“ prognostiziert. Das bedeutet, dass in 12 Jahren auf einen Ingenieur in Deutschland etwa 26 Ingenieure aus China kommen. Wer glaubt, dass die Ingenieure im „Reich der Mitte“ schlecht ausgebildet sind, gibt sich einer eklatanten Selbsttäuschung hin. Andere Länder wie Indien, Brasilien etc. ziehen ebenfalls nach.

Auch wenn die Entwicklungen im technischen Bereich sehr vielschichtig sind, ist eines aber ganz klar: Ohne deutlich stärkeren Ausbau der MINT-Bereiche wird Deutschland nicht mehr lange technologischer Spitzenstandort sein.

Wir müssen junge Menschen in Deutschland für MINT begeistern. In den Schulen müssen Fächer wie Physik, Chemie, Biologie, aber auch Mathematik wieder einen höheren Stellenwert erhalten und noch praxisnaher vermittelt werden. Zudem benötigen wir eine schnelle und nachhaltige Reform der Bologna-Reform, um echte Spitzenkräfte auszubilden zu können.

Aus den Reihen der Industrie gibt es bereits einige Initiativen, aber auch hier muss nachgebessert werden. Technik spannend gestalten und deutlich machen, dass dies zukunftsweisende Jobs sind, ist eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft!

Damit wir das Rennen um die Zukunft nicht verlieren.

Industrie 4.0 …
… ist die „totale Vernetzung aller Arbeitsvorgänge im Unternehmen, auch unter Maschinen“. Die Key-Player im Bereich Industrie 4.0 setzten dort echte Maßstäbe, das Thema schreitet in einem Wahnsinnstempo voran. Ich persönlich sehe das Thema mittlerweile als einen der größten technischen Wettbewerbe der Neuzeit an, wenn nicht als die größte Herausforderung. Hier gilt ganz klar, wie bei vorangegangenen technischen Revolutionen, die Devise: „Wer nicht mitmacht scheidet aus!“

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